S-Bahn nach Kaltenkirchen später und wirtschaftlicher

Seit fast zehn Jahren planen die Freie und Hansestadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein den Südabschnitt der AKN-Strecke 9121 Hamburg-Stellingen – Neumünster Süd von Hamburg-Eidelstedt bis Kaltenkirchen, das ist auf rund 30 km Länge mit 15-kV-Oberleitung auszurüsten und die Verkehrsanlagen S-Bahntauglich auszubauen. Die Linie S 21 soll dann ab HH-Eidelstedt dorthin verlängert und mit Triebzügen der S-Bahn Hamburg betrieben werden, sodass Pendler aus dem Umland umsteigefrei in die Hamburger Innenstadt kommen können. Für den 6 km langen Abschnitt auf Hamburger Gebiet bis Burgwedel wurde am 1. November 2018 der Planfeststellungsbeschluss erlassen. Allerdings darf hier erst gebaut werden, wenn das auch für den schleswig-holsteinischen Abschnitt geschehen ist. Hier war das Verfahren jedoch auf zwei zusammen 3 km langen noch eingleisigen Stücken beiderseits des zweigleisigen Bahnhofs in der 6 000-Bewohner-Gemeinde Ellerau festgefahren. Ende 2018 kapitulierte das Land Schleswig-Holstein hier und verzichtete – mit ausdrücklicher Feststellung zu instabilerem und verspätungsanfälligerem Betrieb – auf die zweiten Gleise. Als Folge musste das Planfeststellungsverfahren abschnittsweise von vorn beginnen, wofür die Unterlagen aufgrund inzwischen geänderter Vorschriften teilweise überarbeitet werden mussten. Deshalb geht man jetzt von möglichem Baubeginn im Winter 2022/2023 aus statt 2021 wie zuletzt geplant; die Inbetriebnahme könnte sich dadurch von 2025 auf 2027 verzögern.

Dadurch wird die Beschaffung der 20 benötigten Triebzüge kritisch: Als Baureihe 490 müssten sie bis Mai 2021 beim Hersteller Bombardier bestellt werden, ohne gleich genutzt werden zu können. Danach würden sie entweder teurer oder gar nicht mehr gebaut. Nächster Bestelltermin wäre dann erst 2033, wenn die S-Bahn wieder eine neue Fahrzeuggeneration braucht. – Die gleichfalls neu erforderlich gewordene Wirtschaftlichkeitsberechnung hat etwas überraschend den Kosten-Nutzen-Faktor 1,93 ergeben statt nur 1,12 wie Ende 2014 und dadurch die Finanzierungsaussichten verbessert. Hauptursachen waren einerseits, trotz gestiegener Baupreise und 15 % teurer angesetzter Triebzüge, der Wegfall der Investitionen für die durchgehende Zweigleisigkeit. Anderseits gab es günstigere Verkehrsprognosen, weil die Untersuchungszeitspanne sich bis 2030 statt bisher 2025 verschoben hatte und man mit größerem Bevölkerungswachstum entlang der Strecke rechnet.

Quelle: NahverkehrHAMBURG