Europäische Ansätze in der Fachkräftequalifizierung (eb 4 | 2021)

Die Welt befindet sich in stetem Wandel. Alle Lebensbereiche sind voneinander abhängig und stehen in Wechselwirkung, wie uns die Pandemie seit über einem Jahr vor Augen führt. Parallel dazu vollziehen sich Paradigmenwechsel in der Industrie, getrieben durch Digitalisierung und Automatisierung, sowohl in der standort- und länderübergreifenden Zusammenarbeit als auch im Bewusstsein, dass Anforderungsdefinitionen nicht statisch „einfrierbar“ sind, sondern wir dynamisch neue Anforderungen identifizieren und integrieren müssen.

Dies ist gerade in Bahnsystemen mit den jahrzehntelangen Lebenserwartungen der Teilsysteme und der Unabdingbarkeit der sicheren Interaktion von Fahrzeugen und Infrastrukturen anspruchsvoll und erfordert angepasste Wissenstransfers und Kooperationsstrategien für alle Fachkräfte. Diese müssen das Bahnsystem verstehen und mit Kollegen, Partnern und Kunden immer öfter international zusammenarbeiten.

In einer breiten Sektorinitiative gehen diesem Leitmotiv die EU-Projekte STAFFER für alle Länder und Qualifikationsniveaus und das Projekt Astonrail im akademischen Bereich nach. Unterstützt durch die Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (CER) und den Verband der europäischen Eisenbahnindustrie (UNIFE) arbeiten in STAFFER 30 Partner daran, die Zukunftstrends des Bahnsektors zu systematisieren.

Ziel ist die Identifizierung von Qualifizierungsbedarfen, für die im nächsten Schritt neue Bildungsangebote erstellt, implementiert und evaluiert werden. Die Fachhochschule Erfurt beteiligt sich daran und bringt vielfältige Erfahrungen ein. So ist der Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieur/in Eisenbahnwesen“ seit über zehn Jahren etabliert – neben der grundständigen Variante auch in dualen Modellen mit der DB Netz AG, den

Prof. Dr.-Ing. Michael Lehmann

Prof. Dr.-Ing. Michael Lehmann
Fachhochschule Erfurt
Eisenbahnwesen im internationalen Kontext

Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) des DB-Konzerns, weiteren EVU und neu auch in Zusammenarbeit mit der Bahnindustrie, zum Beispiel der Siemens Mobility GmbH. So werden praxisnahe Ausbildung und Kontakte mit der Wirtschaft mit dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn verknüpft. Dies gilt auch für den trinationalen Weiterbildungsstudiengang „Master Europäische Bahnsysteme“, der zusammen mit der Fachhochschule St. Pölten und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur angeboten wird.

Für diesen läuft bis zum 15. Juni 2021 die Bewerbungsphase um die maximal 25 Studienplätze für den im Oktober startenden fünften Durchgang. Gerade dieses Bildungsangebot greift mit der europäischen Prägung einem Ergebnis von STAFFER vor, bei dem am Horizont ein Eisenbahn-Erasmus-Programm stehen kann.

Voneinander und von Experten lernen ist auch ein Leitmotiv der eb. Das vorliegende Heft berichtet in den Fachaufsätzen unter anderem über die Pilotierung einer Kettenwerksüberwachung in der Schweiz, die Überwachung von Hochspannungsleitungen bei der ÖBB in Österreich und über Erfahrungen mit der optischen Anhubmessung in Deutschland.

Für einen starken Bahnsektor brauchen wir Systemverständnis, Innovationskraft und Partner in Industrie, Bahnbetrieb und Bildung – die verinnerlicht haben, dass Wissen sich vermehrt, wenn man es teilt!

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