Es stand schon einmal in der eb ... (eb 12 | 2021)

Jahresende. Für viele ist es die Zeit für einen Blick auf das Zurückliegende, für das Formulieren von Hoffnungen und Zielen: Dieses Jahr war wohl ein ziemlich Außergewöhnliches. Vor einem Jahr hätten sich die wenigsten vorstellen können, dass wir gegenwärtig vor einer ähnlichen, mancherorts sogar vor einer verschärften Situation stehen. Die COVID-19-Pandemie begleitet uns noch immer und wir werden mit ihr eine Zeitlang leben müssen. Das hat Auswirkungen auf das Berufsleben und das Private. Mittlerweile scheint jeder in irgendeiner Form davon betroffen zu sein. Sehr viele arbeiten mobil, zumeist im Homeoffice. Die Arbeit in den Projekten und auf den Baustellen geht weiter. Es wurden Projekte abgeschlossen, wie die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Lindau. Andere Projekte wurden begonnen, wie der Streckenausbau und die Elektrizierung von Angermünde nach Stettin oder das Südende des Infrastrukturprojekts Karlsruhe – Basel. Des Weiteren wurde das Europäische Jahr der Schiene beendet. Über all diese Themen wird in dieser Ausgabe berichtet.

Im Sommer 2021 schien die Pandemie überwunden. Die Büros in den Unternehmen haben sich gefüllt, persönliche Begegnungen waren wieder möglich. Die ersten Konferenzen haben auch wieder mit Publikum stattgefunden, rückblickend in einem Zeitfenster. Zurzeit sieht das alles wieder anders aus. Selbst die eb als Zeitschrift ist von der erneuten Verschiebung einiger Branchentermine betroffen. Dadurch verzögern sich mitunter Aufsätze, sofern sie in Verbindung mit Konferenzen oder Messen stehen.

Das Jahr 2021 war auch geprägt von der Einführung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, wozu insbesondere auch Wassertoff- und Akkumulator-Triebzüge zählen. Die Technologien boomen. Auch in den zurückliegenden Wochen wurde über die Vergabe von Verkehrsleistungen mit Akkumulator-Triebzügen entschieden. Für die Ladeinfrastruktur gibt es seitens der Industrie innovative Angebote.

Das alles ist garnicht so neu. Vor fast genau 70 Jahren hatte man sich in der Bundesrepublik mit dem verbreiteten Einsatz von Akkumulator-Triebzügen  auseinandergesetzt. Die damaligen Studien und Überlegungen erinnern an heutige und rufen durchaus auch Schmunzeln hervor. Die Technik ist heute anders, sie ist weiterentwickelt. Aber über viele Aspekte, die heute relevant sind, hat man sich bereits damals vergleichbare Gedanken gemacht. Interessant sind hier auch Vorschläge für die Ladeinfrastuktur, die möglichst kompakt gebaut und einfach zu transportieren sein sollte. Zu diesem Themenfeld finden sich in diesem Heft aus den Ausgaben der 1950er Jahre Reprints, deren Lektüre den heute mit dieser Technologie befassten Spezialisten empfohlen wird.

Beim Recherchieren nach diesen Beiträgen sind weitere Themen aufgefallen, deren Aktualität nach wie vor gegeben ist. Nicht jede heute neu anmutende Idee ist es tatsächlich: Es stand schon einmal in der eb. Zu gegebener Zeit werden wir mit historischen Beiträgen die aktuellen ergänzen.

Eine Überschrift in dieser Ausgabe beginnt mit dem Wort Begriffe. Spezialisten eines Fachgebiets meinen häufig, untereinander die gleiche Sprache zu sprechen und sich auch zu verstehen. Das ist mitunter nicht so. Und selbst in Sitzungen in Normungsgremien, in denen nun gerade ausgewählte und rennomierte Fachleute sitzen, gibt es diesen Augenblick:
Wir haben uns monatelang etwas gesagt, aber wir haben etwas Unterschiedliches darunter verstanden. Am Ende sind es Feinheiten in Begriffen und Definitionen, die zu unterschiedlichen Interpretationen führen. Auf den ersten Blick mögen das Lapalien sein. Bei genauerer Betrachtung haben diese Interpretationsspielräume erhebliche Konsequenzen für vieles. Und es schlägt sich am Ende in Geld nieder. Eine noch größere Herausforderung stellt die Ausdrucksweise in unterschiedlichen Sprachen dar, etwa weil es nicht jeden Ausdruck in jeder Sprache gibt und manche vermeintlich offiziellen Übersetzungen sich auch als unbrauchbar herausstellen. In dieser Ausgabe wird diese Thematik am Beispiel der Fahrleitungsanlagen behandelt. Die an der Erstellung Beteiligten wissen, dass die Aufstellung nicht jeder Kritik standhalten wird. Die Diksussion war im positiven Sinne mitunter hitzig. Aber die Thematik reizt, sie zur Dikussion zu stellen, und zu anderen Gebieten fortzusetzen.

Zum Schluss gilt der Dank allen Lesern und Unternehmen, die der Zeitschrift erneut die Treue gehalten haben. Der Dank gilt den Autoren, die oft neben ihrer eigentlichen Arbeit die Beiträge erstellt und sich zu einer Veröffentlichung entschlossen haben. Nur dadurch gelingt es der eb, die Entwicklung bei elektrischen Bahnen weiter zu dokumentieren.

Alles Gute für das kommende Jahr 2022 wünscht

Dr. Steffen Röhlig
Chefredakteur

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