• Schutz • System • Oberleitungen • Projekte • Betrieb • Bahnenergieversorgung ISSN 0013-5437 // B 2580 // Jahrgang 121 // www.eb-info.eu 10 2023 • Furrer+Frey: Steuerungsanlagen nach Maß • Neuartige Bahnenergieversorgung mit 2 AC 2 x 25 kV 16,7 Hz + 1 AC 15 kV 16,7 Hz • Lichtbogenerkennung in Schutzstrecken, die mit ETCS Level 2 befahren werden • Bahnenergieversorgung für die Metro in Perth, Westaustralien • Abschalt- und Erdungsautomatik mit umfassenden Sicherheitsfunktionen im ICE-Werk Basel Elektrifizierung des JadeWeserPort in Wilhelmshaven eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
Firmenverzeichnis Gemacht für dauerhafte Geschäftsbeziehungen. Das Firmenverzeichnis auf www.eb-info.eu und in eb – Elektrische Bahnen. Rail Power Systems GmbH Garmischer Str. 35 D-81373 München Telefon: +49 89 4199 9-0 Telefax: +49 89 4199 9-270 E-Mail: info@rail-ps.com www.rail-ps.com www.rps.jobs Furrer+Frey AG Ingenieurbüro, Fahrleitungsbau Thunstrasse 35, Postfach 182 CH-3000 Bern 6 Telefon: +41 31 357 61-11 Telefax: +41 31 357 61-00 www.furrerfrey.ch DEHN SE Hans-Dehn-Str. 1 D-92318 Neumarkt Telefon: +49 9181 90 6-0 Telefax: +49 9181 90 6-1100 E-Mail: railway.technology@dehn.de www.dehn.de Dipl.-Ing. H. Horstmann GmbH Humboldtstraße 2 D-42579 Heiligenhaus Telefon: +49 2056 976-0 Telefax: +49 2056 976-140 www.horstmanngmbh.com European Trans Energy Spezialist im Bereich Fahrleitungen Emil-Fucik-Gasse 1 A-1100 Wien Telefon: +43 1 934 66 87 0 Telefax: +43 1 934 66 87 51 09 E-Mail: contact@europten.com www.europten.com Rhomberg Fahrleitungsbau GmbH IZ-NÖ Süd, Straße 3, Objekt M1/II A-2351 Wiener Neudorf Telefon: +43 2236 90400-0 Telefax: +43 2236 90400 2017 E-Mail: office.rhofl@rsrg.com www.rhombergfahrleitung.at SIGNON Deutschland GmbH Ein Unternehmen der DB Netz AG Elisabeth-Schwarzhaupt-Platz 1, 10115 Berlin Telefon: +49 30 24 73 87 13 Telefax: +49 30 24 73 87 11 www.signon-group.com https://signon-group.com/karriere/ stellenboerse info@signon-group.com Widap AG Friesenstrasse 11 CH-3185 Schmitten Telefon: +41 26 497 50 60 Telefax: +41 26 497 50 69 E-Mail: info@widap.com www.widap.com Powerlines Group GmbH Johann Galler Straße 39 A-2120 Wolkersdorf im Weinviertel Telefon: +43 2245 21212-0 E-Mail: office@powerlines-group.com www.powerlines-group.com eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
349 Editorial 121 (2023) Heft 10 „Stromtankstellen“ Es geht voran. In Deutschland stehen die ersten Ladestationen für Akkumulatortriebzüge. Zwei davon, welche eine Fahrleitungsspannung mit einer zu der in Deutschland allgemein üblichen abweichenden Frequenz von 50Hz bereitstellen, laufen im Testbetrieb und haben ihre Eignung bestanden. Die Industrie für ortsfeste Bahnenergieversorgungsanlagen hat gezeigt, dass sie ohne Betreibervorgaben in der Lage ist, kompakte Lösungen zu entwickeln, zu liefern und in Betrieb zu nehmen. Es sind pragmatische Ansätze. Die eb hat in den letzten Jahren darüber regelmäßig berichtet. Die Fahrzeugindustrie hat erkannt, dass die Lösungen interessant sind und begonnen, ihre Fahrzeugbaureihen für eben diese Ladeinfrastruktur zu modifizieren. Es funktioniert, sowohl die Technik als auch die Kooperation zwischen unterschiedlichen Herstellern. Bei den Tests gab es mitunter kleine Überaschungen im Zusammenwirken zwischen Infrastruktur und Fahrzeug, aber diese sind beherrschbar und lösbar. AC 15 kV 50 Hz sind keine Unmöglichkeit. Und die Lösungen lassen sich auch auf AC 25 kV 50 Hz übertragen, wenn die Fahrzeugbaureihen das ermöglichen. In wenigen Wochen werden die ersten Ladestationen für die übliche Fahrleitungsspannung AC 15 kV 16,7 Hz in Betrieb genommen. Das besondere zu „großen“ Unterwerken ist hierbei lediglich, dass das zu speisende Netz relativ klein ist und deshalb andere elektrotechnische Eigenschaften aufweist wie ein großes Fahrleitungsnetz. Aber auch das scheint mit den Erfahrungen lös- und beherrschbar. Und schlussendlich war die Entwicklungs- und Bauzeit für diese Lösungen insgesamt überschaubar, gerade wenn man bedenkt, dass die letzten Jahre problematisch hinsichtlich der Verfügbarkeit von Komponenten und unzuverlässiger Liefertermine waren. Demnächst werden auch die ersten Ladestation für AC 25 kV 50 Hz in Deutschland errichtet, weil es im konkreten Fall zweckmäßig ist. An der Technik sollte es also nicht liegen. Die Industrie hat mit ihren eigenen Lösungen Wert darauf gelegt, dass die Anlagen kompakt ausfallen, schnell zu errichten sind und die Investitionen im Rahmen bleiben. Denn Akkumulatorzüge können nur verkehren, wenn dafür auch die nötigen Infrastrukturen rechtzeitig zur Verfügung stehen und deren Kosten in einem Rahmen bleiben, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Gesamtsystems ermöglichen. Am Ende stehen die Fragen nach der Bezahlung der Infrastuktur selbst und den Energiekosten. In Deutschland ist das offensichtlich nicht ganz klar. Es kommt nämlich darauf an, in welchem Zustand ein Akkumulatortriebfahrzeug Energie aufnimmt. Steht es nicht, sondern fährt es, nimmt das Fahrzeug Energie während der Fahrt auf. Manche bezeichnen das als „Fahrstrom“. Wenn das Fahrzeug aber steht, dann fährt es nicht. Folglich bekäme es zum Laden keinen „Fahrstrom“. Es steht vielmehr an einer „Stromtankstelle“. Auf einmal darf die Fahrleitung nicht mehr so heißen, obwohl sie identisch aufgebaut ist, und die Energie weiterhin über den Kontakt Stromabnehmer/Fahrdraht übertragen wird. Mit den Ladeunterwerken der „Stromtankstellen“ kann man auch fahren, das geht und ist bewiesen, auch mit 50Hz bei Fahrzeugen, die eigentlich für 16,7Hz gebaut sind. Aber der kleine Unterschied der Geschwindigkeit beim Laden soll auf einmal auch den Energiepreis ändern und entscheiden, wer für eine Ladestation wie zu zahlen hat. Diese eigenartige Regel wird der Technik kaum zum Durchbruch verhelfen, weil sie die preiswertere Lösung benachteiligt. Wenn die Energie teurer sein sollte, nur weil sie an einer „Tankstelle“ bezogen wird, werden derartige Ladeunterwerke kaum genutzt werden, sondern nur im Notfall. Das hat zur Folge, dass die Energie dort noch teurer werden müsste, um die Investitionen zu amortisieren. Eine Lösung kann nur darin bestehen, dass Ladestationen grundsätzlich Bestandteil der Bahninfrastruktur sind, die Kosten für die Errichtung und den Betrieb umgelegt werden und die Energiekosten überall gleich sind. Nur dann werden die Anlagen optimal genutzt und können den Akkumulatortriebzügen allgemein zum Durchbruch verhelfen. Wenn man gezwungen wird, Anlagen nur deshalb so zu bauen, damit die Fahrzeuge im Fahren günstige Energie laden können, dann dient das sicher dem Energiepreis, nicht aber dem Gesamtsystem. Denn die Aufwendungen für das Laden im Fahren sind ungleich höher. Es wäre wünschenswert, wenn in dieser Fragestellung zeitnah Klarheit geschaffen wird. Das könnte die Einführung von Akkumulatortriebfahrzeugen witer beschleunigen. Die Industrie hat gezeigt, dass sie liefern kann, sowohl die Fahrzeuge als auch die dafür notwendige Ladeinfrastruktur. Andere Länder kennen diese Fragestellung nicht. Dr. Steffen Röhlig Chefredakteur eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
350 Inhalt 121 (2023) Heft 10 Editorial S. Röhlig „Stromtankstellen“ 349 Fokus Furrer+Frey: Steuerungsanlagen nach Maß 352 Fachwissen S. Körner, J. Pape, A. Saßmannshausen, A. Stephan Neuartige Bahnenergieversorgung mit 2 AC 2 x 25 kV 16,7Hz +1 AC 15 kV 16,7Hz Potentialanalyse der BEMU-Nachladung mittels Direktstromnutzung aus Erneuerbare-Energie-Anlagen 355 Novel traction power supply system with 2AC 2x25 kV 16,7Hz + 1AC 15 kV 16,7Hz Nouveau système d‘alimentation électrique de traction avec 2AC 2x25 kV 16,7Hz + 1AC 15 kV 16,7Hz P. Hayoz, R. Lucioni, U. Schönherr Lichtbogenerkennung in Schutzstrecken, die mit ETCS Level 2 befahren werden 364 Arc detection in neutral sections where ETCS Level 2 is in operation Détection d’arcs électriques dans les sections de protection parcourues sous ETCS niveau 2 R. Puschmann, R. Stacey Bahnenergieversorgung für die Metro in Perth, Westaustralien Seitenverschiebungen von Stromabnehmern 368 Power supply of the Metro in Perth, Western Australia Alimentation électrique du métro de Perth, Australie occidentale 10 / 2023 eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
Praxiswissen C. Tölle Abschalt- und Erdungsautomatik mit umfassenden Sicherheitsfunktionen im ICE-Werk Basel 374 Automatic Switch-off and earthing device with comprehensive safety functions in the Basel ICE workshop Dispositif de coupure et de mise à la terre automatique avec fonctions de sécurité complètes dans l‘atelier ICE de Bâle M. Bartsch Elektrifizierung des JadeWeserPort in Wilhelmshaven 380 Electrification JadeWeserPort Wilhelmshaven Électrification JadeWeserPort Wilhelmshaven Journal 387 Impressum 396 Termine U3 Lösungen für anspruchsvolle Projekte. Mit unserem Engineering. www.widap.com Filtersysteme für BahnanwendungenI Von der Idee bis zur SerienfertigungI eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
352 Fokus Industrie 121 (2023) Heft 10 Furrer+Frey: Steuerungsanlagen nach Maß Ein kleines Team von acht Mitarbeitern, bestehend aus Technikern und Ingenieuren, die allesamt eine Grundausbildung zum Elektroinstallateur genossen haben, bewirkt seit 1997 durch den Bau von Steuerungsanlagen im Bereich der Bahntechnik weltweit Großes. Eingebettet in die Furrer+Frey AG, stehen dem Team die Türen zur Bahnwelt weit offen. Innovative Steuerungsanlagen Nebst den Eisenbahnstrecken und ihrer Bahninfrastruktur wie Fahrleitungs- und Sicherungsanlagen braucht es vor allem auch Unterhaltsanlagen für die Instandhaltung des Rollmaterials. Hier ist fast immer ein sicherer Zugang zu den Fahrzeugdächern nötig, da sich bei den heutigen Niederflurfahrzeugen eine Vielzahl der Ausrüstungsgegenstände auf dem Dach befindet. Für den Zugang muss einerseits eine sichere Aufstiegsmöglichkeit vorhanden sein, andererseits muss die Fahrleitung oberhalb des Fahrzeugs ausgeschaltet und geerdet werden, damit das Unterhaltspersonal gefahrlos in diesem Bereich arbeiten kann. Hierzu eignen sich Steuerungsanlagen der Furrer+Frey AG, über welche die Spannung auf der Fahrleitung per Knopfdruck ein- und ausgeschaltet werden kann. Durch die Automatisierung und die Bedienung der Schaltgeräte auf Distanz wird die Gefahr für die Mitarbeitenden beim Umgang mit Hochspannungsgeräten erheblich gemindert. Daneben wird aber auch der Schaltablauf beschleunigt, da Fußwege und die manuelle Betätigung von mechanischen Bedienelementen entfallen. Dies erhöht die Sicherheit und steigert die Produktivität. Beispiele für solche Anlagen sind diese in Spiez (Bild 1), Grütschalp (Bilder 2 und 3) sowie in Givisiez (Bild 4). Bild 1: Werkstätte der BLS in Spiez: Zentralsteuerschrank der Fahrleitungssteuerung (alle Fotos: Furrer + Frey AG). Bild 2 (links): Werkstätte der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren (BLM) Grütschalp: Zentralsteuerschrank der Fahrleitungssteuerung. Bild 3 (rechts): Bedienstelle der Fahrleitungssteuerung in Grütschalp. eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
355 Bahnenergieversorgung Fachwissen 121 (2023) Heft 10 Neuartige Bahnenergieversorgung mit 2 AC 2 x 25kV 16,7Hz +1 AC 15kV 16,7Hz Sven Körner, Jan Pape, Dresden; Achim Saßmannshausen, Frankfurt; Arnd Stephan, Dresden Für die Elektrifizierung der Eifelstrecken durch die DB Energie und DB Netz wurde im Rahmen einer Systemstudie durch das Institut für Bahntechnik und die Technische Universität Dresden eine neuartige Bahnenergieversorgung mit 2AC 2x25kV 16,7Hz+1AC 15kV 16,7Hz untersucht. Dafür wurde die grundlegende technische Machbarkeit bewertet und das Systemdesign einschließlich technischer Lastenheftspezifikationen entwickelt. Novel traction power supply system with 2AC 2x25kV 16,7Hz + 1AC 15kV 16,7Hz For the electrification of the Eifel railway network by DB Energie and DB Netz a traction power supply system with 2AC 2x25kV 16,7Hz + 1AC 15kV 16,7Hz was examined within a system study by the Institut für Bahntechnik and the Technical University Dresden. For this purpose, the basic technical feasibility was assessed and the system design including technical specifications was developed. Nouveau système d'alimentation électrique de traction avec 2AC 2x25kV 16,7Hz + 1AC 15kV 16,7Hz Pour l'électrification des lignes de l'Eifel par DB Energie et DB Netz, un nouveau type d'alimentation en énergie ferroviaire avec 2AC 2x25kV 16,7Hz+1AC 15kV 16,7Hz a été étudié dans le cadre d'une étude de système menée par l'Institut für Bahntechnik et l'Université technique de Dresde. À cette fin, la base de la faisabilité technique a été évaluée et la conception du système, y compris les spécifications techniques, a été élaborée. 1 Einführung Zum Erreichen des ambitionierten Ziels der Bundesregierung, die durch das Hochwasser im Jahr 2021 zerstörten Bahnstrecken in der Region Eifel („Eifelstrecken“) bis Ende 2026 zu elektrifizieren, werden die DB Energie GmbH und die DB Netz AG ein neuartiges Bahnenergieversorgungssystem anwenden. Dieses beinhaltet im Vergleich zu den bestehenden, betriebserprobten Systemen der zentralen und dezentralen Sonderfrequenz-Bahnenergieversorgung die Bündelung von (zentraler) Bahnenergieübertragung und Fahrleitung. Dadurch werden die Betroffenheiten durch die Bahnelektrifizierung minimiert und die Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich verkürzt. Parallel hat der Gesetzgeber mit dem Aufbauhilfegesetz 2021 (AufbhG 2021, [1]) die Errichtung eines Sondervermögens und damit die Finanzierung gesichert und die Planrechtsfreiheit für die Ausstattung einer bestehenden Bahnstrecke mit Oberleitungen im Zuge des Wiederaufbaus nach Naturkatastrophen durch Änderung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG, [2]) ermöglicht. Zur Realisierung war ebenfalls die Anpassung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG, [3]) notwendig. Typische mehrjährige, zum Teil jahrzehntelange Prozesszeiten bis zur Inbetriebnahme, wie sie für 110-kV-Bahnstromleitungen oder dezentrale Umrichterwerke einschließlich Anbindung an das 3AC-Landesnetz notwendig wären, sollen so vermieden werden. Für die Bahnenergieübertragung wird ein Zweiphasensystem genutzt, dessen Phasen je die in EN50163 [4] normierte, europäische Bahn-Nennspannung von 25 kV zwischen Leiter und Erde führen (2AC2x25 kV 16,7Hz). Die Fahrleitungsnennspannung beträgt 15 kV (1AC15 kV16,7Hz). Die zwei 25-kV-Systeme werden in Form von Verbindungsleitungen oder Kabeln als Teil der Oberleitungsanlage parallel zur Strecke mitgeführt. Da ein derartiges System zwar normativ abgesichert ist, bislang jedoch keine Referenzprojekte existieren, ergibt sich eine Vielzahl zu untersuchender ingenieurtechnischer Aufgaben- und Fragestellungen. In Phase 1 des Projekts „Systemstudie Eifel“ von Mai bis August 2022 haben die Professur für Elektrische Bahnen an der Technischen Universität Dresden (TUD) und das Institut für Bahntechnik GmbH (IFB) in Kooperation mit DB Energie und DB Netz das grundlegende technische Systemdesign entwickelt und zwingende technische Ausschlusskriterien identifiziert und untersucht. Nach dem qualifizierten Systementscheid seitens der DB wurde in Phase 2 des Projekts „Systemstudie Eifel“ von Oktober 2022 bis April 2023 das technische Systemdesign abgeschlossen und technische eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
364 Fachwissen Bahnenergieversorgung 121 (2023) Heft 10 Lichtbogenerkennung in Schutzstrecken, die mit ETCS Level 2 befahren werden Patrick Hayoz, Bern (CH); Roberto Lucioni, Giubiasco (CH); Uwe Schönherr, Bern (CH) Mit der Führerstandssignalisierung beim Betrieb mit ETCS Level 2 sollte eigentlich sichergestellt sein, dass Fahrleitungs-Schutzstrecken nur mit ausgeschaltetem Hauptschalter befahren werden. Auf ETCS-L2-Strecken in der Schweiz gibt es aber Schäden durch Lichtbögen an Tragseilen der fakultativen Schutzstrecken. Anhand der Schadensbilder wurden Störungshypothesen aufgestellt und ein Lastenheft für technische Abhilfemaßnahmen formuliert. Arc detection in neutral sections where ETCS Level 2 is in operation The driver’s cab signalling during operation with ETCS Level 2 should actually ensure that neutral sections are only passed with the main circuit breaker switched off. On ETCS L2 lines in Switzerland, however, there have been cases of damage caused by arcing on the catenary wires of the neutral sections that are only temporarily active. Based on the damage patterns, fault hypotheses were established and a requirement specification for technical corrective measures was formulated. Détection d’arcs électriques dans les sections de protection parcourues sous ETCS niveau 2 La signalisation en cabine de conduite lors de l’exploitation avec ETCS Level 2 devrait en fait garantir que les sections de protection des caténaires ne sont parcourues que lorsque l’interrupteur principal est déclenché. Or, sur les lignes ETCS L2 en Suisse, on constate des dommages dus à des arcs électriques sur les câbles porteurs des sections de protection facultatives. Sur la base des images de dommages, des hypothèses de panne ont été établies et un cahier des charges pour des mesures techniques correctives a été formulé. 1 Einführung Das Normalspurnetz der SBB verfügt über rund achtzig 15-kV-Fahrleitungsschutzstrecken, kurz Schutzstrecken. Gemäß Fahrdienstvorschriften müssen diese je nach Speisesituation mit ausgeschaltetem Hauptschalter befahren werden. Andernfalls besteht die Gefahr einer Beschädigung der Fahrleitung. Fünf SS befinden sich auf Strecken mit ETCS-L2-Signalisierung. Auf Strecken mit ETCS-L2 wird infrastrukturseitig ein Befehl zur Ausschaltung des Hauptschalters an das Triebfahrzeug abgesetzt, bevor dieses eine aktivierte Schutzstrecke befährt. Es gibt Triebfahrzeuge, auf denen der Ausschaltbefehl automatisch ausgeführt wird, auf anderen muss der Triebfahrzeugführer selber handeln. In den letzten Jahren wurden auf ETCS-L2-Strecken Beschädigungen von Kettenwerken der Parallelführungen von Schutzstrecken festgestellt. Auf der Neubaustrecke Mattstetten – Rothrist (NBS) wurde das Bild 1: Störung an der Schutzstrecke Mattstetten – Rothrist, km 45,900 (alle Bilder SBB, teilw. bearb. eb). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
368 Fachwissen Bahnenergieversorgung 121 (2023) Heft 10 Bahnenergieversorgung für die Metro in Perth, Westaustralien Rainer Puschmann, Igensdorf; Robert Stacey, Perth (AU) Der Bundesstaat Westaustralien mit seiner Hauptstadt Perth ist überwiegend vom Bergbau geprägt. Über 90% der australischen Erzförderung stammt aus Westaustralien. Dies sind insbesondere Metallerze. An Energierohstoffen wird Steinkohle, Erdöl und Erdgas gefördert. Seit 2009 arbeitet die weltgrößte Gasverflüssigungsanlage, die 8% der Weltproduktion an Flüssigerdgas liefert. Die Edelsteingewinnung in den Kimberleys fördert hauptsächlich Diamanten zutage. Die verarbeitende Industrie konzentriert sich im Raum Perth, wo rund 75% der Bevölkerung lebt. Wegen der landschaftlichen Vielfalt, einer interessanten Flora und Fauna, übt Perth weltweit eine magische Anziehungskraft aus. Der Einwandererstrom reißt bis heute nicht ab. Durch die ständig wachsende Bevölkerung und den Tourismus erweitert der Bundesstaat Westaustralien die Metro zu einem attraktiven Nahverkehrsnetz, welches besonders die Bewohner der Vororte als umweltfreundliche Alternative zum Auto nutzen. Power supply of the Metro in Perth, Western Australia The state of Western Australia with its capital Perth is predominantly dominated by mining. Over 90% of Australia’s ore production comes from Western Australia. These are, in particular, metal ores. Hard coal, crude oil and natural gas are mined as energy raw materials. The world’s largest gas liquefaction plant has been operating since 2009, supplying 8% of global production of liquefied natural gas. Gemstone mining in the Kimberleys mainly produces diamonds. The manufacturing industry is concentrated in the Perth area, where around 75% of the population lives. Because of the diversity of landscapes and interesting flora and fauna, Perth has a magical appeal worldwide. The flow of immigrants has not stopped to this day. Due to the constantly growing population and tourism, the state of Western Australia is expanding the metro into an attractive local transport network, which residents in the suburbs in particular use as an environmentally friendly alternative to the car. Alimentation électrique du métro de Perth, Australie occidentale L’État d’Australie-Occidentale, avec sa capitale Perth, est majoritairement dominé par l’exploitation minière. Plus de 90% de la production australienne de minerai provient d’Australie occidentale. Il s'agit notamment de minerais métalliques. La houille, le pétrole brut et le gaz naturel sont extraits comme matières premières énergétiques. La plus grande usine de liquéfaction de gaz au monde est en activité depuis 2009 et fournit 8% de la production mondiale de gaz naturel liquéfié. L’exploitation des pierres précieuses dans les Kimberleys produit principalement des diamants. L'industrie manufacturière est concentrée dans la région de Perth, où vit environ 75% de la population. En raison de la diversité des paysages et de la flore et de la faune intéressantes, Perth a un attrait magique dans le monde entier. Le flux d'immigrants ne s'est pas arrêté à ce jour. En raison de la croissance démographique et touristique constante, l'État d'Australie-Occidentale étend le métro pour en faire un réseau de transport local attrayant, que les habitants des banlieues utilisent notamment comme alternative écologique à la voiture. 1 Einführung In Perth als die viertgrößte Stadt Australiens und die Hauptstadt des australischen Bundeslands Westaustralien leben heute 2,1 Mio. Einwohner. Die Einwohnerzahl stieg wegen des Goldrausches in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts rasant an. Nach dem zweiten Weltkrieg führte der Zustrom von Immigranten vorwiegend aus Großbritannien, Italien, Griechenland und Jugoslawien erneut zu einem schnellen Wachstum der Bevölkerung. In den späten Jahren des 20. und den frühen Jahren 21. Jahrhunderts folgte ein enormes Wirtschaftswachstum durch die Bergbauindustrie, das dazu führte, dass sich in Perth mehrere große Bergbaufirmen niederließen. Die Ausdehnung des heutigen Großraums von Perth beträgt in Nord-Süd-Richtung entlang der Küste etwa 125 km und von der Küste im Westen bis Mundaring im Osten rund 50 km. Der Großraum von Perth nimmt ungefähr eine Fläche von 6000 km2 ein. Deshalb war es längst überfällig, eine umweltfreundliche Metro für Perth zu planen und errichten. eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
373 Bahnenergieversorgung Fachwissen 121 (2023) Heft 10 Blickpunkt Die DB International Operations (DB IO), part of DB E.C.O. Group, hat in Indien das neue Schnellbahnnetz im Großraum Delhi in Betrieb genommen. Premierminister Narendra Modi weihte die 17 Kilometer lange Vorrangstrecke in der Hauptstadtregion ein. Nach seiner vollständigen Betriebsaufnahme wird das Regional Rapid Transit System (RRTS) Delhi, Ghaziabad und Meerut auf einer Länge von 82 km mit 25 Stationen verbinden. Foto: Deutsche Bahn AG,NCRTC eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
374 Praxiswissen Erdung und Rückleitung 121 (2023) Heft 10 Abschalt- und Erdungsautomatik mit umfassenden Sicherheitsfunktionen im ICE-Werk Basel Christian Tölle, Offenbach am Main Am Badischen Bahnhof in Basel wurden von September 2018 bis Dezember 2019 umfangreiche Ausbaumaßnahmen im ICE-Werk durchgeführt, um unter anderemWartungsarbeiten für die neue Generation von ICE-Triebzügen zu ermöglichen. Die DB Fernverkehr AG hatte Rail Power Systems (RPS) mit der Modernisierung der Elektrifizierung der Gleise 84, 85 und 86 beauftragt. Als Steuerungssystem für die Spannungsversorgung sowie die Trennung und Erdung kam eine automatische Abschalt- und Erdungseinrichtung (AEA) zum Einsatz der Oberleitung. Automatic Switch-off and earthing device with comprehensive safety functions in the Basel ICE workshop At Badischer Bahnhof in Basel, extensive expansion measures were carried out at the ICE plant from September 2018 to December 2019 to enable, among other things, maintenance work for the new generation of ICE trainsets. DB Fernverkehr AG had commissioned Rail Power Systems (RPS) to modernize the electrification of track 84, 85 and 86. An automatic switch-off and earthing device (AEA) was used as the control system for the voltage supply as well as disconnection and earthing of the overhead contact line. Dispositif de coupure et de mise à la terre automatique avec fonctions de sécurité complètes dans l'atelier ICE de Bâle À la gare badoise de Bâle, de vastes mesures d’agrandissement ont été réalisées dans l'atelier ICE de septembre 2018 à décembre 2019, afin de permettre, entre autres, les travaux de maintenance de la nouvelle génération de rames ICE. DB Fernverkehr AG a chargé Rail Power Systems (RPS) de moderniser l’électrification des voies 84, 85 et 86. Un dispositif de coupure et de mise à la terre automatique (AEA) a été utilisé comme système de commande de l’alimentation ainsi que de la déconnexion et de la mise à la terre de la ligne aérienne de contact. 1 Einleitung Rund 1,5Mrd. EUR investiert die DB Fernverkehr AG bis 2030 in den Aus-, Um- und Neubau ihrer Standorte. Das betrifft insbesondere die Mehrzahl der insgesamt neun Instandhaltungswerke für den Fernverkehr. Baulich wie funktional erweiterte Hallen, Werkstätten und Lager sowie die Verlegung neuer Behandlungs- und Abstellgleise sollen dabei in Zukunft mehr Flexibilität und Geschwindigkeit bei den Instandhaltungsarbeiten gewährleisten. Rund 14Mio. EUR dieser Summe hat die Deutsche Bahn (DB) in die Erweiterung des Baseler ICE-Werks investiert. Als Meilenstein der Strategie „Starke Schiene“ war es hier das Ziel, die notwendigen Serviceleistungen für den ICE4 einerseits auszubauen, andererseits effizienter durchführen zu können. In dem Werk an der deutsch-schweizerischen Grenze sind rund 150 Mitarbeiter im Zweischichtsystem mit der Wartung, Instandhaltung und Bereitstellung der Fernverkehrszüge der DB für die südwestliche Region beschäftigt. Im Jahresdurchschnitt werden hier pro Tag acht ICE- und IC-Züge gewartet und repariert; weitere werden für umfassende Maßnahmen zur Innen- und Außenreinigung, zur Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung oder zum Handling von Zugdaten dort abgestellt. Mit den Planungen zur Modernisierung der Gleise 84, 85 und 86 und deren Inbetriebnahmen hatte die DB Fernverkehr AG die Firma Rail Power Systems (RPS) beauftragt. Dies beinhaltete • den Aufbau einer schwenkbaren Oberleitungsstromschiene, • das Aufstellen von insgesamt acht Masten im Gleisvorfeld (einschließlich der dafür vorzunehmenden Fundamentgründungen), • die vollständige Elektrifizierung von Gleis 84 und • die Montage und Inbetriebnahme von neuen Speise- und Erdungsschaltern sowie • Spannungswandlern für alle drei Gleise. eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
380 Praxiswissen Projekte 121 (2023) Heft 10 Elektrifizierung des JadeWeserPort inWilhelmshaven Malte Bartsch, Bochum In Wilhelmshaven wurde zum Jahreswechsel 2022/2023 die Oberleitungsanlage der Vorstellgruppe des JadeWeserPort (JWP) in Betrieb genommen. Das ambitionierte Bauvorhaben beinhaltete die Elektrifizierung einer 16-gleisigen Abstellanlage in Querfeldbauweise inklusive der Gleisanbindung an das Streckennetz der Deutschen Bahn AG (DB). Die Bauzeit, inklusive Planung, Materialisierung, Bau und Abnahme, betrug bis zur Inbetriebnahme der wesentlichen Anlagenteile im Dezember 2022 lediglich neun Monate – und das trotz der Widrigkeiten, die damit verbunden waren. Electrification JadeWeserPort Wilhelmshaven In Wilhelmshaven, the overhead contact line system of the JadeWeserPort (JWP) storage group started operation at the turn of the year 2022/2023. The challenging construction project included the electrification of a 16-track sidings facility in cross-field construction, including the track connection to the Deutsche Bahn AG (DB) rail network. The construction time, including planning, materialisation, construction and approval, was only nine months until the commissioning of the main parts of the facility in December 2022 – despite the adversities that came with it. Électrification JadeWeserPort Wilhelmshaven À Wilhelmshaven, le système de lignes aériennes de contact du faisceau de formation du JadeWeserPort (JWP) a été mis en service au tournant de l’année 2022/2023. Ce projet de construction ambitieux comprenait l’électrification d'un faisceau de 16 voies en portiques souples, y compris la connexion des voies au réseau ferroviaire de la Deutsche Bahn AG (DB). Le temps de construction, y compris la planification, la matérialisation, la construction et l’approbation, n’a duré que neuf mois jusqu’à la mise en service des principales parties de l’installation en décembre 2022 – malgré les adversités qui en ont découlé. 1 Einleitung Im Herbst 2012 wurde in Wilhelmshaven an der deutschen Nordseeküste mit dem JadeWeserPort der drittgrößte Containerhafen Deutschlands eröffnet. Als einziger nationaler Tiefwasserhafen ist er für die neueste Generation von Großcontainerschiffen konzipiert. Der entscheidende Vorteil: Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 16,5m können ihn unabhängig von den Gezeiten jederzeit anfahren. Die Folge: Mit dem erwarteten Anstieg des Seegüterumschlags im neuenHafenwird auchdas Güterverkehrsaufkommen auf der Schiene in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen [1]. Mit Inbetriebnahme des Streckenausbaus zwischen Oldenburg und Sande sowie der Erneuerungen entlang der Strecke Oldenburg – Sande – Wilhelmshaven hat die DB auf einer Länge von rund 69 km Ende 2022 die nötigen Vorkehrungen für den Weitertransport der Güter getroffen. Parallel zu den Arbeiten im Zuge der Streckenertüchtigung durch die Bahn hat die Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing GmbH & Co. KG ihre Abstellanlage auf dem Hafengelände elektrifizieren lassen. Nach Beginn des Teilnahmewettbewerbs Ende August 2021 konnte Rail Power Systems (RPS) den Bild 1: Elektrifizierte Gleisanlagen im JadeWeserPort (Foto: JadeWeserPort Marketing). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
387 Journal 121 (2023) Heft 10 Bahnen Fahrplan Fernverkehr 2024 Mit dem Fahrplan 2024 schafft die DB so viele neue Verbindungen im Fernverkehr wie seit 20 Jahren nicht mehr. Durch den stetigen Zulauf neuer Züge kann die DB mehr und schnellere Verbindungen sowie deutlich mehr Sitzplätze zwischen den Metropolen anbieten. Auch die Regionen profitieren von zusätzlichen Verbindungen und neuen Zügen. Mit zwei Zügen pro Stunde zwischen Berlin und Hannover sowie Berlin und München geht der Fernverkehr einen weiteren Schritt in Richtung Deutschland-Takt. Auf den nachfragestarken Verbindungen Berlin – NRW und Berlin – München bietet die DB mit neuen ICE-Linien und längeren Zügen bis zu 25% mehr Sitzplätze an. Zwischen Berlin und München wächst die Zahl der Sprinter-Fahrten pro Richtung auf bis zu 14; doppelt so viele wie bisher und tagsüber nahezu stündlich. Zusammen mit den stündlichen Zügen über Leipzig beziehungsweise Halle fahren jede Stunde zwei Züge zwischen der Bundes- und der Landeshauptstadt. Drei neue, besonders schnelle Sprinter bewältigen die Strecke täglich in 33/ 4 h, indem sie zwischen Berlin und Nürnberg ohne Halt fahren. Mit einer zweistündlichen ICE-Linie Berlin – Wuppertal – Köln entfällt alle zwei Stunden das Teilen und Kuppeln der Züge in Hamm (Westfalen). So verkürzt sich die Fahrtzeit zwischen Rhein und Spree um 10min und die ICE über Dortmund und Düsseldorf können dann alle 2h mit doppelter Kapazität fahren. Durch die neue Linie und veränderte Fahrpläne bestehender Linien entsteht ein Halbstundentakt zwischen Hannover und Berlin. Die Fahrtzeit zwischen Berlin und Amsterdam verkürzt sich um rund 30min. Dies wird durch den Einsatz von Mehrsystemlokomotiven und ein neues Haltekonzept auf dieser Linie erreicht. Auf der Intercity-Verbindung Nürnberg – Jena – Leipzig baut die DB das Angebot deutlich aus. Statt einer gibt es dort künftig täglich fünf Fahrten je Richtung. Mit Rudolstadt und Ludwigsstadt gewinnen Ostthüringen und Oberfranken zwei zusätzliche Fernverkehrshalte hinzu. Gegenüber dem Regional-Express sind Reisende auf dieser Strecke mit dem Intercity 30min schneller unterwegs. Grafiken: Deutsche Bahn AG. eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
388 Journal 121 (2023) Heft 10 Magdeburg bekommt eine Direktverbindung mit dem IC nach/aus Hamburg mit Halt in Stendal. Je eine zusätzliche Fahrt kommt auf den bestehenden Verbindungen (Leipzig) – Magdeburg – Schwerin – Rostock und (Norddeich) – Magdeburg – Potsdam – Berlin hinzu. Der ICE 4 fährt nun grenzüberschreitend auf Verbindungen nach Österreich und ersetzt bisherige Intercity-Züge. Weitere ICE 3neo, teils schon mit neuem Innendesign, bringt die DB zwischen NRW, Frankfurt, Stuttgart und München sowie auf den Strecken nach Amsterdam und Brüssel auf die Schiene, sobald die Zulassung vorliegt. Alle neuen ICE-Züge bieten Stellplätze für jeweils acht Fahrräder. Schrittweise ersetzen Railjet-Züge der neuen Generation der ÖBB die ECZüge im Brennerverkehr zwischen München und Italien. Im Nachtverkehr bauen die ÖBB und die DB ihre Kooperation aus. So bieten die beiden Unternehmen ab Dezember dieses Jahres Nightjet-Verbindungen von Berlin nach Paris und Brüssel. Diese Verbindungen werden anfangs dreimal die Woche, ab Herbst 2024 dann täglich fahren. Für eine persönliche Beratung in modernem Ambiente investiert die DB 60Mio. EUR in die Reisezentren der 25 meistfrequentierten Bahnhöfe. Künftig tragen die DB Reisezentren die gleiche Handschrift wie die DB-Lounges und das moderne ICE-Innenraumdesign, das erstmals in den neuen ICE 3neo ab Herbst 2023 zum Einsatz kommt. Warme, natürliche Farben, moderne Stoffe und hochwertige Materialien mit viel Holz schaffen ein Wohnzimmergefühl bei 300 km/h. Die Sanierung des Schienennetzes geht auch 2024 unvermindert weiter. So begann am 15. Juli mit der Generalsanierung der Riedbahn Frankfurt/Main – Mannheim das Pilotprojekt der DB auf dem Weg zum Hochleistungsnetz. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember erneuert die DB die komplette Infrastruktur auf dieser hochbelasteten Strecke, inklusive der Bahnhöfe. Umleitungen und Fahrplanänderungen sind bereits in den Fahrplan eingearbeitet oder werden anlassbezogen bekannt gegeben. Automatische ICE-Wartung Um die wachsende Zahl an ICE-Triebzügen effizienter zuwarten, werden Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. Für das E-Check genannte Verfahren investiert die DB 55Mio. EUR. Das erste mit dieser Technik ausgerüstete ICE-Werk ist Köln-Nippes. Um 25% steigt die Wartungskapazität des Standorts. Bis 2025 folgen Berlin, Dortmund, Hamburg und München. Gemeinsam mit DB-Vorstand Michael Peterson besuchte am 12. Oktober 2023 der Bundesminister Volker Wissing das ICE-Werk Köln-Nippes. Der E-Check besteht aus mehreren Komponenten. Mit Hilfe eines Kamerators und optional eines mobilen Unterflurgeräts wird ein ICE rundum inspiziert. Eine KI wertet die Aufnahmen aus. Dabei festgestellte Abweichungen vom Sollzustand werden den Technikern im Werk angezeigt. Sie überprüfen das Bild und entscheiden, ob wirklich ein Fehler vorliegt. Daraus erfolgt dann automatisiert ein Arbeitsauftrag auf das Tablet des Werkstattpersonals. Die Technik ist in der Lage, sowohl kleinste Abweichungen wie eine nicht mehr richtig sitzende Schraube, Instandsetzungsbedarf als auch beschädigte Piktogramme außen am Zug zu erkennen. Die Versorgung des ICE mit Frischwasser und das Abpumpen des Abwassers übernehmen Cobots. Diese Roboter sind in der Lage, bei den unterschiedlichen Zugtypen vollautomatisiert die Lage der Anschlüsse zu erkennen. Dafür bewegen sie sich am ICE entlang, öffnen die Anschlussklappen und bringen den passenden Anschlussstutzen an. Ist das Ver- oder Entsorgen beendet, entfernt der Cobot selbständig die Stutzen, schließt die Klappe und begibt sich zum nächsten Wagen. Die Fahrt eines 374m langen ICE mit 13 Wagen durch das Kamerator dauert 5min. Der gesamte E-Check-Vorgang mit Wasserver- und -entsorgung ist mit 11/ 2 h halb so lang wie bisher, wenn dies Menschen übernehmen. Der E-Check entlastet das Wartungspersonal von Standardtätigkeiten. Der fahrbare Roboter im Werk Köln-Nippes versorgt den ICE mit Frischwasser und pumpt das Abwasser ab (Foto: DB/Oliver Lang). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
389 Journal 121 (2023) Heft 10 Containerkran in Erfurt-Vieselbach Die DB hat im Umschlagterminal ErfurtVieselbach einen 380 t schweren und 23m hohen Containerkran montiert. Er ersetzt den alten dieselbetriebenen Kran und arbeitet schneller, effizienter und leiser. Mit dem neuen Kran kann die DB am Standtort doppelt so viele Container von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene und umgekehrt verladen. Bund und DB investierten 5Mio. EUR. Ein neues Assistenzsystem sorgt mit einem sogenannten Soft-Landing dafür, dass der Kran die Container leiser auf den Zügen und Lastwagen abgesetzt. Über das Umschlagterminal ErfurtVieselbach fahren täglich Güterzüge von den deutschen Seehäfen Richtung Süden und in den Alpenraum. Durch die erfolgreiche Ansiedlung neuer Unternehmen sowie steigenden Schienentransporten bestehender Kunden erhöhten sich die Umschlagmengen innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 60% auf mehr als 35000 verladene Container pro Jahr. Damit war die Kapazitätsgrenze des Terminals erreicht. Als nächsten Schritt schafft die DB mehr Fläche, um Container kurzzeitig zwischenzulagern. Das Terminal ist über den Bahnhof Vieselbach an die Hauptstrecke Halle/ Erfurt – Berlin angebunden. Straßenzugang besteht über das regionale Straßennetz an die Autobahn A4 und über das Erfurter Kreuz in alle Richtungen. Verbindung Zentraleuropa – Zentralasien Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) verbindet mit 16 neuen intermodalen Verkehren über den Mittelkorridor die Handelszentren Zentraleuropas mit jenen Zentralasiens. In Zusammenarbeit mit Partnern bieten die regelmäßig verkehrenden Züge mit wettbewerbsfähigen Laufzeiten von Tagen eine Alternative zur Seefracht. Kunden profitieren von kürzeren Transitzeiten, zuverlässigen und nachhaltigen Transportlösungen für 20-Fuß- und 40-Fuß-Container und verbesserten Verbindungen zwischen den Märkten in beiden Regionen. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die Transporte sicher und zuverlässig durch nicht sanktionierte Länder führen und Kunden dadurch eine Transportversicherung abschließen können. Außerdem umgehen sie die derzeit überlasteten Be- und Entladehäfen sowie die See- und Hinterlandterminals. Die RCG kann dabei die gesamte logistische Wertschöpfungskette abwickeln, einschließlich zusätzlicher Speditionsleistungen. Kunden werden täglich über den aktuellen Transportstatus informiert. Über Istanbul (Türkei) geht es nach Tiflis (Georgien), Eriwan (Armenien), Baku (Aserbaidschan), Astana und Almaty (Kasachstan), Ashgabat (Turkmenistan) und Taschkent (Usbekistan). Über Constanta (Rumänien) verläuft die Route Montage des Containerkranes in Erfurt-Vieselbach (Foto: DB/Martine Pfeifer). Das Terminal Wien Süd ist der Ausgangspunkt für die Routen nach Zentralasien (Foto: ÖBB/Chris Zenz). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
390 Journal 121 (2023) Heft 10 nach Tiflis (Georgien), Baku (Aserbaidschan), Astana und Almaty (Kasachstan), Aschgabat (Turkmenistan) und Taschkent (Usbekistan). Darüber hinaus geht es zusätzlich über den Nordkorridor nach Astana (Kasachstan), Taschkent (Usbekistan) und bis nach Ulan Bator (Mongolei). GüterzügeWien – Kiew Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) bindet in Zusammenarbeit mit der Ukrainischen Staatsbahn (UZ) die Ukraine an ihr intermodales Netzwerk TransNET an. Der Testzug fuhr Ende September von Kiew zum Rail Cargo Terminal BILK in Ungarn und beförderte erfolgreich nicht kranbare Sattelauflieger mit Baustoffen auf der Schiene. Es ist nicht nur ein Plus für die Umwelt, sondern entlastet auch die aktuell angespannte Situation hinsichtlich Lkw-Fahrermangel in der Ukraine. Möglich macht das die Umschlag- und Transport-Technologie r2L, die der Waggonvermieter VTG gemeinsam mit der VEGA International entwickelt hat. Bei der r2L-Lösung handelt es sich um eine Plattform, die mit Terminalkränen oder Reach-Stackern vertikal in und aus einem Doppeltaschenwagen gehoben werden kann. Mit dieser Verbindung zwischen Kiew und Wien mit Halt in Budapest wird eine erste regelmäßige, hochfrequente intermodale Verbindung zwischen der Ukraine und den zahlreichen Hubs in Zentraleuropa angeboten. Aber auch abseits des Intermodalverkehrs fließt der Güterverkehr zwischen der Ukraine und der EU. Nach wie vor transportiert die RCG monatlich 150000 t ukrainisches Getreide in Richtung EU und trägt damit wesentlich zur globalen Versorgungssicherheit bei. Kasachische Eisenbahn vergibt Beratungsaufträge Am Rande des Deutschlandbesuchs des kasachischen Präsidenten Qassym-Schomart Toqajew vereinbarte DB Engineering & Consulting (DB E&C) am 28. September 2023 die Erbringung von Beratungsleistungen mit der Kasachische Eisenbahn KTZ für die Bereiche Personenverkehr und Schienengüterverkehr. Der Vertrag soll über drei Jahre laufen. Die KTZ hatte die DB E&C in der Vergangenheit mit Beratungsleistungen für ihre Personenverkehrssparte beauftragt. Die Beratungsleistungen im Schienengüterverkehr zielen unter anderem ab auf den Ausbau der Transporte zwischen Kasachstan und Mitteleuropa auf dem eurasischen Korridor und die Integration in das europäische Transportsystem. Nichtkranbare Sattelauflieger werden für den Schienentransport nach Kiew vorbereitet (Foto: RCG). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
391 Journal 121 (2023) Heft 10 Unternehmen DB InfraGO AG Der Aufsichtsrat der DB hat in seiner turnusmäßigen Sitzung am 27. September 2023 beschlossen, DB Station & Service auf DB Netz zu verschmelzen. Die neue Gesellschaft soll als DB InfraGO AG firmieren und als Teil des DB-Konzerns am 1. Januar 2024 starten. Das GO im Unternehmensnamen steht für gemeinwohlorientiert. Zweck des Unternehmens ist, die Eisenbahninfrastruktur als Wirtschaftsunternehmen unter besonderer Berücksichtigung gemeinwohlorientierter Ziele sowie der jeweils gegebenen Finanzierungsgrundlagen zu betreiben. Die DB InfraGO erfüllt die gesetzlichen Anforderungen an Transparenz und Beteiligung sowie Gleichbehandlung bei Zugang und Entgelten. Auch die Förderung des grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs sowie von Innovationen und Klimaschutz, insbesondere durch Verkehrsverlagerung im Personen- und Güterverkehr, sind Ziele des Unternehmens. DB InfraGO wird ein umfassendes Modernisierungsprogramm für Schienennetz und Bahnhöfe umsetzen. Der Bund hat zusätzliche 40Mrd. EUR in Aussicht gestellt. Das Kabinett brachte im Juni 2023 eine Reform des Bundesschienenwegeausbaugesetzes (BSWAG) auf den Weg. Es sieht mehr Spielraum für den Einsatz finanzieller Mittel und neue Fördermöglichkeiten für den Bund vor. 25 Jahre MEG Die 1998 als regionale Werksbahn gegründete Mitteldeutsche Eisenbahn (MEG) begeht das 25-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Am 1. Oktober 1998 begann die noch immer andauernde Erfolgsgeschichte der gemeinsamen Tochtergesellschaft von DB Cargo und der heutigen VTG Rail Logistics mit wenigen gebrauchten Lokomotiven. Das Unternehmen verfügt heute über 60 Diesel-, Elektro-, Hybrid- und Zweikraftlokomotiven moderner Bauarten und bedient mit 350 Mitarbeitern europäische Frachtkorridore sowie Gleisanschlüsse von Industriekunden in ganz Deutschland. Der Streckeneinsatz begann mit Diesellokomotiven der Baureihen (BR) 228, 229 und 204 der Deutschen Reichsbahn. Für den Kohlependel Wählitz – Kraftwerk Schkopau im Buna Werk kaufte die MEG 2003 zehn Diesellokmotiven des Typs MAK1206. Lokomotiven der BR143 und der Splittergattung BR156 wurden für den Streckeneinsatz beschafft. Diese sind inzwischen durch die Anmietung von Zweikraftlokmotiven der BR159 und Drehstromlokmotiven der BR145 ersetzt worden. Elf Hybridrangierlokmotiven der BR1001, ein Umbau aus V100 der Deutschen Reichsbahn, und der BR1002 PrimaH3 von Alstom ergänzen den Fahrzeugpark. Die MEG nahm im September 2023 einen Fahrsimulator für die Aus- und Weiterbildung der Triebfahrzeugführer in Betrieb. Die Qualität der Aus- und Weiterbildung soll weiter verbessert werden und im Hinblick auf die Funktionalitäten der DualMode-Lokomotiven und des ETCS-Zugsicherungssystems auf ein neues Niveau heben. Die Lokomotiven der MEG sind auch äußerlich in einem gepflegten Zustand; hier eine Mak G 1206 im Einsatz für den Kohlependel Wählitz – Kraftwerk Schkopau auf der Saalebrücke bei Dehlitz (Foto: Siegfried Graßmann). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
392 Journal 121 (2023) Heft 10 Neue Unternehmenszentrale der HGK Im Beisein von Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, hat die HGK-Gruppe ihre neue Hauptverwaltung am 16. Oktober 2023 offiziell eingeweiht. In dem repräsentativen Gebäude am nördlichen Eingang zum Niehler Hafen in Köln arbeiten seit Juli 2023 wesentliche Bereiche der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK), des Geschäftsbereiches HGK Logistics and Intermodal sowie der Beteiligung RheinCargo integriert zusammen. In zwei Jahren Bauzeit wurde auf dem 3000m2 großen Grundstück mit 23Mio. EUR Investitionen ein energieeffizientes Gebäude mit 8500m2 Bruttogeschossfläche für 300 Arbeitsplätze errichtet. Das nach KfW-Standard Effizienzgebäude 55 errichtete Bauwerk verbraucht 45% weniger Energie, als die gültigen Bauvorschriften erfordern. Die auf dem Dach verbaute Photovoltaik-Anlage mit 99 kWp Spitzenleistung wird vorrangig für den eigenen Bedarf eingesetzt. Bei der Umsetzung der Baupläne wurde auf Natur- und Tierschutz geachtet. Der überwiegende Teil des Baumbestands wurde in das Projekt integriert und Nistkästen für hier siedelnde Nagetiere der Gattung Gartenschläfer angebracht. Kölns Bürgermeister Dr. Ralph Elster hob anlässlich der Einweihung die Bedeutung der HGK Gruppe für die regionale Wirtschaft hervor: „Seit ihrer Gründung vor 31 Jahren ist die HGK ein verlässlicher Partner von Wirtschaft und Industrie in unserer Region. Ohne die von der HGK bereitgestellte Infrastruktur der Häfen und Eisenbahnverbindungen wäre die zuverlässige Versorgung zahlreicher großer Industriebetriebe unserer Region nicht denkbar. Logistische Infrastruktur ist Daseinsvorsorge und damit ein wichtiger Standortfaktor“. Engagement für Güterverkehr in der Schweiz Die SBB konkretisiert das Konzept Suisse Cargo Logistics und verstärkt ihr Engagement im Güterverkehr. SBB Cargo wird wieder eine 100-prozentige SBB Tochtergesellschaft. Die Minderheitsaktionärin Swiss Combi verkauft ihren Aktienanteil von 35% an die SBB und wird strategische Partnerin. Zum neuen Konzernleitungsmitglied für den Güterverkehr ist Alexander Muhm ernannt worden, der heutige Leiter von SBB Immobilien. Im Herbst 2022 stellte die SBB das Konzept Suisse Cargo Logistics vor. Unter dem Motto Für mehr Güter mehr Bahn will die SBB im Kerngeschäft Güterverkehr bis 2050 in der Schweiz 60% mehr Güter transportieren. Es ist vorgesehen, das Umschlagnetzwerk um fünf Terminals für den kombinierten Verkehr zwischen Genf und St. Gallen zu ergänzen. Knorr-Bremse erweitert Technologie-Zentrum in Indien Knorr-Bremse erweitert seine Kapazitäten in Indien sowohl im Schienen- als auch im Nutzfahrzeugbereich. In Pune wurde der neue Gebäudekomplex des divisionsübergreifenden Entwicklungszentrums Technology Center India (TCI) am 19. September 2023 eingeweiht. Als globales Entwicklungszentrum werden hier 1300 Mitarbeiter Transporttechnologien für alle Standorte der Knorr-Bremse Gruppe weltweit entwickeln. Schwerpunkte liegen auf Engineering, Hard- und Software, IT und Simulationen. Der Neubau mit einem Investitionsvolumen im oberen einstelligen Millionen-EuroBereich wird auch die Position von Knorr-Bremse im indischen Markt stärken. Der erweiterte Komplex befindet sich in der Nachbarschaft des bestehenden, 2012 gegründeten Entwicklungszentrums mit 800 Mitarbeitern in Punes Geschäftsviertel Hinjewadi. Das Bauprojekt hat sich durch schnelle Umsetzung ausgezeichnet. Ab Mai 2023 wurde in einem Rohbau innerhalb weniger Monate der Innenausbau abgeschlossen. Der Neubau folgt Green Building Standards und wird mit seinem Energiesparkonzept der Klimaneutralität des Standorts und damit der Klimastrategie 2030 von Knorr-Bremse entsprechen. Deren Ziel, im Einklang mit dem Pariser KlimaabDie neue Unternehmenszentrale der HGK-Gruppe befindet sich am nördlichen Eingang zum Niehler Hafen in Köln (Foto: HGK/Stefan Schilling). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
393 Journal 121 (2023) Heft 10 kommen, ist eine Senkung der produktionsbedingten CO2-Emissionen (Scope1 und 2) von 75% gegenüber dem Ausgangsjahr 2018. Im Rahmen zahlreicher Effizienzmaßnahmen wird der neue Komplex seine Energie in hohem Maße aus Solarpanelen auf dem Dach des Gebäudes beziehen. Im Bereich Systeme für Schienenfahrzeuge werden unter anderem die AirSupply Smart, eine intelligente, bedarfsgesteuerte und dadurch energieeffizientere und leisere Druckluftversorgung für Bremssysteme bearbeitet. Ebenso stand die neueste Generation der CubeControl im Fokus. Die Bremssteuerung verzahnt die Komponenten des Bremssystems noch intelligenter und trägt mit ihrer Flexibilität, Wartungsfreundlichkeit und Skalierbarkeit für alle Personenzüge weltweit zu verfügbarer und effizienter Mobilität bei. Im Bereich Systeme für Nutzfahrzeuge standen unter anderem die Global Scalable Air Treatment (GSAT) und die Global Scalable Brake Control (GSBC) ECU2 im Mittelpunkt des Interesses. Erstere ist eine modulare Druckluftaufbereitung für Nutzfahrzeug-Bremssysteme, die zahlreiche Funktionen integriert und weltweit für alle Fahrzeugtypen skalierbar ist. Die elektronische Bremssteuerung GSBC schafft die Basis für die komplexe Steuerung der Fahrzeugdynamik und eine Vielzahl von FahrassistenzFunktionen. ÖBB übernimmt Go-Ahead Die ÖBB setzen ihr Internationalisierungsprogramm fort und steigen mit der Übernahme von Go-Ahead Deutschland in den deutschen Schienenpersonennahverkehrsmarkt ein. Nach dem am 12. Oktober 2023 erfolgten Signing, der Unterzeichnung des Kaufvertrags, müssen bis zum Closing, dem Abschluss der Transaktion, unter anderem noch wettbewerbsrechtliche Genehmigungen abgewartet werden. Das Closing wird noch in 2023 erwartet. An den aktuellen Angeboten und Fahrplänen ändert sich bei GoAhead nichts. Go-Ahead Deutschland wird die Eigenständigkeit bewahren und soll von der Expertise und dem Knowhow des ÖBB-Personenverkehrs profitieren. Die 2014 gegründete Go-Ahead Verkehrsgesellschaft Deutschland ist eine Tochter des britischen Unternehmens Go-Ahead Group Ltd. und unterhält in Deutschland zwei Betriebsgesellschaften. Mit 1000 Mitarbeitern und 144 elektrischen Triebzügen werden in Bayern und Baden-Württemberg Regionalzugverkehre im Auftrag der genannten Länder betrieben Die Go-Ahead Baden-Württemberg in Stuttgart wurde im Februar 2017 gegründet und betreibt seit 2019 fünf regionale Schienenstrecken mit 700 km Länge. Mit jährlich 10Mio. Zug-km werden das Stuttgarter Netz mit der Remsbahn, Residenzbahn, Filstalbahn und Frankenbahn sowie die Murrbahn befahren. Die Go-Ahead Bayern in Augsburg wurde im Februar 2019 gegründet und bietet seit 2021 regionalen Schienenverkehr mit 10Mio. Zug-km pro Jahr an. Seit 2021 wird das Elektronetz Allgäu München – Lindau betrieben. Im Dezember 2022 kamen die Strecken des Augsburger Netzes Augsburg – München, Augsburg – Würzburg, Augsburg – Aalen und Augsburg – Ulm hinzu. Go-Ahead Triebzüge Siemens Desiro HC und Mireo in den Bayerischen Landesfarben (Foto: Siemens). eb 10 2023 ePaper Abonnement 2023 ã Georg Siemens Verlag GmbH & Co. KG Vervielfältigung und Verbreitung unzulässig und strafbar!
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