Klimapaket und Digitalisierung – Rückenwind für elektrische Bahnen (eb 10 | 2019)

Der Monat September 2019 war durch zwei Ereignisse gekennzeichnet, die Auswirkungen auf die elektrischen Bahnen in Deutschland haben werden: Zum einen hat das Klimakabinett der Bundesregierung ein Maßnahmenpaket für den Klimaschutz vorgestellt, zum anderen hat die Deutsche Bahn AG (DB) den Startschuss für die „Digitale Schiene Deutschland“ gegeben.

Ein Hauptschwerpunkt im Maßnahmenpaket für den Klimaschutz ist die Erhöhung der Attraktivität des Schienenpersonennahverkehrs. Der Bund und die DB werden bis 2030 86 Mrd. EUR investieren, um das Streckennetz zu erneuern. Durch die Einführung von digitaler Leit- und Sicherungstechnik auf zentralen Achsen und die Digitalisierung von Stellwerken soll die Kapazität deutlich gesteigert werden. Zudem soll das elektrifizierte Netz erweitert und verdichtet werden.

Ein weiterer Punkt ist Erhöhung der Attraktivität des öffenlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Mit der Erhöhung der Bundesmittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) für den Ausbau des ÖPNV auf 1 Mrd. EUR jährlich ab 2021 will die Bundesregierung die Voraussetzungen schaffen, die Attraktivität des ÖPNV zu verbessern. Damit bereits in den nächsten Jahren zusätzliche Ausbaumaßnahmen konkret geplant werden können, beabsichtigt die Bundesregierung, die Mittel ab 2025 auf 2  Mrd. EUR jährlich zu erhöhen.

Roland Edel

Roland Edel
Chief Technology Officer Siemens Mobility GmbH

Für einen zusätzlichen Anreiz zur Nutzung der Bahn soll ein Gesetz dienen, welches die Mehrwertsteuer für Bahntickets im Fernverkehr von 19 % auf den ermäßigten Steuersatz von 7 % senkt.

Damit die DB die an sie gestellten Aufgaben erfüllen kann, will sich der Bund jährlich mit 1 Mrd. EUR zusätzlichen Eigenkapitals an der Deutschen Bahn AG beteiligen. Dadurch soll sie in die Lage versetzt werden, zusätzliches Kapital in die Modernisierung, den Ausbau und die Elektrifizierung des Streckennetzes und das Bahnsystem insgesamt zu investieren.

Absichtserklärungen und finanzielle Mittel allein werden nicht reichen. Es sind Kapazitäten zu schaffen, welche die entsprechenden Planungen zeitnah und in hoher Qualität vorlegen können. Bildungseinrichtungen sind aufgerufen, Lehrpläne für Planungsingenieure zu schaffen, die diese Aufgaben erfüllen können. Das Plan- und Genehmigungsrecht ist anzupassen, um die Projektlaufzeiten zu verkürzen. Die Industrie muss Kapazitäten schaffen, um die Vorhaben im geplanten Zeitfenster auch umsetzen zu können. Das betrifft nicht nur die Infrastruktur, sondern auch das rollende Material. Schlussendlich muss Verlässlichkeit und Kontinuität in den Prozess einkehren, damit die Umsetzung nicht nur Stückwerk bleibt. Und alle Partner müssen als solche miteinander kooperieren.

Mit dem Projekt „Digitale Schiene Deutschland“ will die DB im Verbund mit dem Bahnsektor die Digitalisierung des Schienennetzes und des Bahnbetriebs vorantreiben. Einen wichtigen Beitrag dazu wird die neue Gesellschaft Digitale Schiene Deutschland GmbH leisten, die ab Januar 2020 die ersten Projekte zur Digitalisierung koordinieren und Zukunftstechnologien bündeln wird. Bei der Digitalisierung geht es im Wesentlichen um die Umstellung von konventioneller Sicherungstechnik auf ETCS und digitale Stellwerke. Ziel ist eine Erhöhung der Streckenkapazität des bestehenden Gleisnetzes um 35 %. Dass das gleichzeitig nicht ohne Anpassungen in der Bahnenergieversorgung und beim rollenden Material möglich sein wird, liegt auf der Hand.

Die Bahnindustrie wird sich dieser Herausforderung stellen.

Roland Edel
Chief Technology Officer
Siemens Mobility GmbH

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