Bahn frei für die Mobilität der Zukunft (eb 5 | 2020)

Nach der Corona-Krise Fahrt aufnehmen ohne an den Klimaschutzzielen für 2030 vorbei zu fahren – das wird in den kommenden Wochen eine zentrale Herausforderung für Politik und Wirtschaft sein. Für den Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) steht fest: Im wirtschaftliche Re-Start kann die Chance für einen Klimaschutzhochlauf über die Schiene liegen. Konjunkturhochlauf und Klimaschutz schließen sich keineswegs aus, sondern bedingen einander. Investitionen in klimafreundliche Technologien sind eine gute Antwort auf beide Aufgaben.

Der Schienensektor steht vor enormen Herausforderungen. Die Bahnindustrie in Deutschland befürchtet, dass diese Krise heftige Nachwellen verursachen wird. Umso wichtiger sind jetzt gute politische Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat schnell gehandelt, um deutsche Unternehmen gezielt in der Krise zu unterstützen: Wirtschaftsstabilisierungsfonds, erleichterter Kreditzugang zur Liquiditätssicherung, KfW-Schnellkredite, Soforthilfen von Bund und Ländern. Strukturen der systemrelevanten Bahnindustrie sind jetzt stabil zu sichern, um nach der Krise einen belastbaren Re-Start und Hochlauf für klimaschonende Mobilität zu ermöglichen. Das heißt konkret: Liquidität entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken, Anreize für umweltfreundliche Innovationen setzen und an den Digitalisierungszielen für die Schiene festhalten.

Axel Schuppe

Axel Schuppe
Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB)
Geschäftsführer

Gerade in der Krise gilt es, nach vorn zu denken. Entscheidend sind Investitionen in klimafreundliches Wachstum. Wir plädieren klar für einen Klimabonus in öffentlichen Vergaben, der den wirtschaftlichen Re-Start und den Hochlauf für Klimalösungen gleichermaßen unterstützt. Dazu gehört auch das Prämieren von Elektromobilität auf der Schiene, um das Außerdienststellen von Altfahrzeugen und die Beschaffung von emissionsfreien neuen Zügen zu fördern. Zentral bleibt weiterhin auch die flächendeckende Digitalisierung von Schieneninfrastruktur, Fahrzeugen und Stellwerken. Ein intelligentes Schienennetz ist der Schlüssel zur klimaschonenden Mobilität und wichtiger Konjunkturmotor für unsere Branche. Der Konzeptvorschlag der Industrie, das finanziell unterlegte „Überbrückungsprogramm Stellwerke“ der Bundesregierung über 1,8 Milliarden Euro und auch die Mittel aus der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung ermöglichen eine Beschleunigung des ETCS/DSTW-Rollouts ab 2020. Es darf jetzt nicht an der falschen Stelle gespart werden. Damit die Bestandsflotte rasch mit ETCS-On Board Units ausgestattet wird, muss der Bund eine diskriminierungsfreie, wirksame Förderung der Fahrzeugumrüstung, ähnlich wie etwa die Niederlande, einführen.

Ein wichtiges Forum für die Umsetzung eines ReStarts für Clean Mobility bildet das Zukunftsbündnis Schiene. Das im Herbst 2018 begründete Forum bringt Fachleute aus Industrie, Betreibern und Politik zusammen für die Umsetzung der im Koalitionsvertrag festgelegten Branchenziele. Der VDB arbeitet derzeit an dem Masterplan Schiene des Bündnisses mit und verfolgt dabei eine zentrale Frage: Wie erreichen wir trotz der Krise die Klimaziele für 2030? – Forschung ehrgeiziger fördern, öffentliche Vergaben neu denken – das gehört zwingend zur Roadmap für neue Mobilität 2030. Wir wollen gemeinsam mit Bund, Aufgabenträgern und Sektor am ETCS-Rollout, an den Verdopplungszielen des Koalitionsvertrags und den Klimazielen festhalten.

Axel Schuppe
Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB)
Geschäftsführer

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