Prüfung Betonschwellen

Einschränkungen im bundesweiten Netz der DB infolge Schäden an Betonschwellen (Grafik: DB).

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Prüfung Betonschwellen

Bis Ende August 2022 führte die DB ein umfangreiches Inspektionsprogramm bei 200 000 Betonschwellen aus. Die Arbeiten erfolgten vorsorglich, da im Zusammenhang mit dem Unfall bei Garmisch-Partenkirchen am 3.  Juni 2022 auch Schwellen eines bestimmten Typs und Herstellers von den ermittelnden Behörden geprüft werden. Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind und die Unfallursache noch nicht feststeht, hat die DB vorsorglich entschieden, baugleiche Schwellen zu untersuchen.

Erste vorläufige Erkenntnisse aus technischen Gutachten unabhängiger Prüfinstitute legen nun den Verdacht nahe, dass ein Herstellerfehler vorliegt. Die Schwellen weisen teilweise Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit auf. Die Schwellen sind durchschnittlich 15 Jahre alt. Betroffen sind nach derzeitigen Erkenntnissen rund 0,25 % aller Betonschwellen im Netz der DB.

In den meisten Fällen, bei denen Auffälligkeiten entdeckt wurden, richtete die DB Langsamfahrstellen ein. Vereinzelt wurden Streckenabschnitte gesperrt. Umleitungen, längere Fahrzeiten und Schienenersatzverkehr lassen sich nicht vermeiden. In Folge der Untersuchungen gibt es an 165 Stellen im Streckennetz Einschränkungen. Betroffen sind schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auf ersten Strecken hat die DB die Schwellen austauschen können. Für rund 90 % der betroffenen Streckenabschnitte sind konkrete Bautermine eingeplant.

Ziel ist es, dass fast alle betroffenen Strecken bis Ende 2022 wieder regulär befahrbar sind. Der Austausch der Schwellen wird sich teilweise bis in das Jahr 2023 ziehen. Zunächst haben die Strecken Priorität, die besonders hoch ausgelastet und für einen stabilen Fern-, Regional- und Güterverkehr im gesamten Netz von großer Bedeutung sind. In Zeiten von Materialknappheit ist es der DB gelungen, ausreichend neue Schwellen am Markt zu sichern.

Die DB geht von einem Schaden im dreistelligen Millionenbetrag aus. Mögliche Regressansprüche gegenüber dem Schwellenhersteller werden auf Basis der abschließenden Gutachten juristisch geprüft.

Teilweise sind ganze Regionen ohne Schienenverkehr. Im Werdenfelser Land, einer gefragten Touristenregion in Südbayern, läuft nichts mehr. Zwischen Murnau und Innsbruck über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald gibt es derzeit keinen Schienenverkehr. Hier muss ergänzt werden, dass auf österreichischer Seite planmäßige Bauarbeiten stattfanden. Von Garmisch-Partenkirchen ins Außerfern und von Murnau zu den Passions-Spielen nach Oberammergau fahren keine Züge. Nach Kochel gab es zeitweise Ersatzverkehr mit Taxen.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), der Aufgabenträger für den Schienenpersonenverkehr in Bayern, reagierte erst am 25.  Juli 2022 mit einer Pressemitteilung auf diese Missstände. Bis zum Schuljahresbeginn Mitte September 2022 sollen alle Strecken wieder befahren werden.

Für die Sanierung der Eisenbahnstrecken in den Regionen Werdenfels und Oberland plant die DB ein Investitionsprogramm von 80 Mio. EUR. Im Rahmen einer Adhoc-Sanierung ab Mitte September 2022 werden noch bestehende Langsamfahrstellen beseitigt sowie ab Oktober punktuell Gleiserneuerungsarbeiten stattfinden. Von Juni 2023 bis November 2025 ist eine Modernisierung folgender Strecken vorgesehen:

  • Werdenfels: Tutzing – Garmisch – Mittenwald, Weilheim – Geltendorf, Weilheim – Schongau, Tutzing – Kochel, Murnau – Oberammergau
  • Oberland: Holzkirchen – Rosenheim, Holzkirchen – Lenggries, Holzkirchen – Schliersee – Bayrischzell

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